Mehrweg verstehen

Warum es unsere Zukunft sichert

Gastautor: Andreas Block

Die Müllflut wächst – und wir schauen zu?

Rund 19 Millionen Tonnen Verpackungsabfälle entstehen jedes Jahr in Deutschland – und ein Ende ist nicht in Sicht. Denn eine Studie belegt, dass in Deutschland noch immer 52 Prozent der Einweg-Plastikflaschen aus Neumaterial hergestellt werden, für deren Herstellung Rohöl eingesetzt wird. Einwegverpackungen sind leider noch immer zu präsent: Coffee-to-go, Snacks für unterwegs, Online-Bestellungen in doppelter Verpackung oder einfach nur zum Wegwerfen.

Bequem? Leider.

Nachhaltig? Leider NICHT.

Was bequem scheint, hat eine dunkle Seite: Plastik verschmutzt nicht nur unsere Umwelt, es trägt durch energieintensive Produktion und Entsorgung auch erheblich zum Klimawandel bei.

Wusstest du, dass jeder Einwohner in Deutschland, umgerechnet, im Schnitt, 237 kg Verpackungsmüll pro Jahr produziert? Das entspricht etwa 237 (vollen!) Ein-Liter-Wasserflaschen oder dem Gewicht von 17 City-Bikes… die einfach weggeworfen werden. Einweg ist kein kleiner Ausrutscher, sondern ein großes Problem.   Da lohnt es sich, einmal umzudenken: Mehrweg statt Einweg macht den Unterschied.

Warum Mehrweg? Eine Lösung mit System

Mehrweg bedeutet: Verpackungen werden nicht nach einmaligem Gebrauch weggeworfen, sondern je nach Art mehrfach verwendet und professionell gereinigt – egal ob Becher, Flasche oder Versandkarton.

Nach der europäischen Abfallhierarchie ist nicht das Recyceln am besten, sondern gar keinen Müll erst entstehen zu lassen.

Während Recycling nur darauf reagiert, also nachträglich eingreift und Energie kostet, setzt Mehrweg früher an:

  • Müll wird gar nicht erst erzeugt
  • Ressourcenintensive Prozesse entfallen

Das macht Mehrweg zu einer Lösung, die ökologisch wie wirtschaftlich überlegen ist.

Mehrweg – und die Sache mit Mikroplastik

In letzter Zeit ist immer wieder von Mikro- und Nanoplastik die Rede, gerade in Verbindung mit Verpackungen.

Tatsächlich ist die Forschung in diesem Bereich noch jung. Studien zeigen, dass Partikel beim Kontakt mit Materialien oder durch Waschrückstände in Produkte gelangen können und zwar sowohl bei Einweg- als auch bei Mehrwegverpackungen.

Auch in Glasflaschen wurden bereits Mikroplastikpartikel nachgewiesen, oft durch Abrieb an Dichtungen oder durch Reinigungseinflüsse. Und auch Kunststoff-Mehrwegsysteme können Spuren abgeben, wenn sie intensiv genutzt werden.

Was heißt das für uns?
Das Thema bleibt wichtig, wissenschaftlich offen und betrifft alle Verpackungssysteme. Entscheidend ist die Qualität der Materialien und die Sorgfalt im Umgang damit: hochwertige, lebensmitteltaugliche Kunststoffe, gute Reinigungssysteme und der sparsame Ressourceneinsatz.

Darum bleibt Mehrweg – unabhängig vom Material – ein aktiver Schritt in Richtung Umwelt- und Ressourcenschutz.

Zahlen, die überzeugen

  • Glas-Mehrwegflaschen kann bis zu 50-mal wiederverwendet werden. Eine solche (0,7) Flasche Wasser, die so oft wiederbefüllt wird, ersetzt im Durchschnitt dann 23 1,5-Liter-Einwegflaschen aus Plastik.
  • Kunststoff-Mehrwegboxen schaffen oft über 100 Nutzungen

Jede Wiederverwendung spart CO₂, Rohstoffe und Energie – ohne auf Komfort zu verzichten.

Mehrweg ist mehr als nur ein Becher

Wer bei Mehrweg nur an Coffee-to-go denkt, unterschätzt das Potenzial.
Da steckt viel mehr dahinter. Inzwischen gibt es Lösungen für:

  • Getränke- und Lebensmittellogistik
  • Drogerieprodukte mit Nachfüllstationen
  • E-Commerce mit wiederverwendbaren Versandkartons

Mehrweg ist längst praktischer Alltag und wächst stetig weiter.

Wo Mehrweg schon Realität ist

Die Mehrwegbewegung ist kein Nischenthema mehr – sie findet direkt vor deiner Haustür statt.

  • immer mehr Städte fördern aktiv lokale Mehrwegsysteme
  • Supermärkte bieten wiederbenutzbare Netze statt Plastiktüten
  • Drogerien setzen auf Refill-Stationen
  • In der Gastronomie sinken Entsorgungskosten, die Kundenbindung steigt

Einen umfassenden Überblick, gibt der Mehrwegweiser des WWF: WWF-Mehr Wegweiser

Und jetzt?

Mehrweg ist kein Zukunftsthema, es ist bereit für deinen Alltag – einfach und nachhaltig.
Jede Entscheidung gegen Einweg ist ein Schritt in Richtung:

  • weniger Müll
  • gesündere Umwelt
  • mehr Klimaschutz
  • mehr Lebensqualität

Bleib auf dem Laufenden, mach den Unterschied und werde Teil der Lösung – jetzt!

 

Quellen:

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